Ein Lern- und Lebensraum


Auf die Frage nach ihrer Motivation, sich auf eine Stelle an einer Schule der Bernostiftung zu bewerben, antwortete eine junge Lehrerin: "Ich hatte mein Kind auf einer Ihrer Grundschulen und habe mich gefragt, warum so 'anders' mit ihm umgegangen wurde, als ich es aus eigener Schulerfahrung gewohnt war. Gegenseitige Wertschätzung zwischen Schülern und Lehrern war für mich die Antwort." Dieser "Blick von außen" ist für die Schulen und Horte der Bernostiftung von unschätzbarem Wert. Er schärft den Blick für das eigene Profil und lässt nach seiner erlebbaren Umsetzung fragen.

Die Antwort der Lehrerin führt zu einem ersten Eckpunkt des Profils katholischer Schulen: Das pädagogische Handeln orientiert sich am jungen Menschen als Abbild Gottes. Diese Ebenbildlichkeit verleiht ihm eine unverlierbare Würde, die es verbietet, dass Andere über sein zukünftiges Bild bestimmen und durch pädagogische Maßnahmen seine Verwirklichung umsetzen wollen. Sie verbietet Lehrkräften die Formung von jungen Menschen nach fremden pädagogischen, gesellschaftlichen oder auch wirtschaftlichen Vorstellungen. Dieses Verständnis vom Menschen fordert von einer katholischen Schule, die Persönlichkeitsentwicklung von jungen Menschen in das Zentrum ihrer Bemühungen zu stellen. Voraussetzung ist ein ganzheitliches Bildungsverständnis, das die Entwicklung der Persönlichkeit in kognitiver, emotionaler, sozialer und motorischer Hinsicht zum Ziel hat.

Auch der konkrete Unterricht mit seinen verschiedenen Bildungsbereichen soll von dem Bemühen um eine ganzheitliche Sicht der Wirklichkeit geprägt sein. Deshalb gehört zu einem guten Unterricht neben der Vermittlung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten auch die Förderung von wertbezogenen Einstellungen und Haltungen. Auf diese Weise erwerben Schülerinnen und Schüler Orientierung für ihr Urteilen und Handeln im persönlichen, gesellschaftlichen, politischen und religiösen Bereich. Eine katholische Schule versteht sich deshalb als pädagogisch gestalteter Lern- und Lebensraum, in denen Schülerinnen und Schüler wertbildende Erfahrungen machen.

Diese personale Orientierung bedeutet, dass Schule nicht mehr vorrangig als Institution, sondern als Erziehungsgemeinschaft verstanden wird, in der Schüler, Eltern und Lehrer in je eigener Weise und spezifischer Verantwortlichkeit in der Erziehung und Bildung zusammenwirken. Eine katholische Schule kann so einen gemeinsamen Lebensraum bilden, in dem durch ein miteinander Leben und miteinander Lernen die soziale Dimension von Erziehung gestärkt und die Übernahme sozialer Verantwortung geübt wird.

Grundlage für die unterrichtliche und erzieherische Arbeit der katholischen Schulen in Mecklenburg sind die Rahmenpläne des Landes, aber auch die Qualitätskriterien für katholische Schulen. Hieraus ergeben sich konzeptionelle Bausteine, die das Schulleben prägen:

  • Die Schulen der Bernostiftung sehen die Schüler als freie Wesen und erziehen deshalb zur Eigenständigkeit. Auch im Unterricht lernen Schüler den verantwortlichen Gebrauch der Freiheit, indem sie in bestimmten Phasen ihre Arbeitszeit selber einteilen und auch inhaltlich Schwerpunkte setzen können.
  • Die Schulen geben Anreize zu Leistung und Lernerfolg. Sie fördern aber die weniger leistungsfähigen Schüler ebenso sorgfältig wie die leistungsfähigen. „Schlechte Schüler“ gibt es nicht.
  • Schulische Bildung baut auf den Interessen und Gaben der Schüler auf. Lernen gelingt dort am besten, wo Schüler ihre Talente entfalten können. Die Schulen der Bernostiftung legen Wert darauf, Begabungen zu erkennen und zu fördern. Das geschieht auch in AGs, Projekttagen und fächerübergreifendem Unterricht.
  • Die Schulen der Bernostiftung begreifen die Welt im Zusammenhang. Die einzelnen Schulfächer sind keine Inseln oder „Käfige des Wissens“. Wo immer möglich, werden Themen aus der Perspektive verschiedener Fächer behandelt.
  • Sozialverhalten und Friedenserziehung gehört zu den Anliegen der katholischen Schulen in Mecklenburg. Die Schüler lernen, demokratisch Entscheidungen herbeizuführen, andere Meinungen zu achten und Konflikte friedlich zu lösen.
  • Musische Bildung wird in den Schulen der Bernostiftung groß geschrieben. Musik und Kunst sind keine Konsumartikel, sondern Möglichkeiten der Selbstverwirklichung. Die Schulen arbeiten mit Künstlern, Theatern, Orchestern und Museen zusammen.
  • Die Bewahrung der Schöpfung gehört zu den christlichen Werten. Die Schüler erleben in Projekten und Exkursionen die Natur als etwas Wertvolles und lernen, dass sie als Handelnde für ihre Welt Verantwortung tragen.