pädagogisches Konzept


Wesentlich für das pädagogische Konzept der Don-Bosco-Schule sind zwei biblische Leitsätze:

1. Und er stellte ein Kind in ihre Mitte. (nach Mk. 9, 36)

Auf Schule und Unterricht übertragen fordert der erste Leitsatz, Kinder zu unterrichten und nicht Fächer. In erster Linie ist also dem Erkenntnisdrang der Schüler zu folgen, nicht den Bedürfnissen der Fachwissenschaften, um die Kinder auf`s Leben vorzubereiten.
Dem dient auch unser Konzept zur Berufsorientierung, welches mit dem Berufswahlsiegel des Landes MV ausgezeichnet wurde.
Die Rahmenpläne der einzelnen Fächer einer Jahrgangsstufe greifen oft gleiche Themen auf. So ist das antike Griechenland Thema in Geschichte, seine Geografie wird in Erdkunde behandelt. Wenn Kollegen sich nicht sehr gut absprechen, begegnet einem Schüler ein Unterrichtsgegenstand zu unterschiedlichen Zeiten unter anderer Schwerpunktsetzung. Jeder Fachlehrer kennt das, das Schüler im Geschichtsunterricht plötzlich geografische Fragen stellen, die "jetzt nicht hierher" gehören.  
Wir wollen diese Unterrichtsgegenstände ganzheitlich behandeln und haben daher in der Orientierungsstufe und in der 7. und 8. Klasse der Regionalschule den Vernetzten Unterricht Vernetzten Unterricht (VU) eingeführt.

Unser Konzept stellt noch eine andere Herausforderung für Schüler und Lehrer, die sich im zweiten Leitsatz ausdrückt:

2. Ihr aber, Schwestern und Brüder, seid zur Freiheit berufen ... (nach Gal. 5.13)

Selbstverständlich wollen auch wir „altersgerecht unterrichten“ und „die Schüler dort abholen, wo sie stehen“. Darüber hinaus bringen wir unseren Schülerinnen und Schülern bei, ihren Lernfortschritt selber zu gestalten. Sie sollen zunehmend frei entscheiden, was sie in welchem Tempo lernen, wo sie Lücken schließen, wo sie vertieft arbeiten wollen. Um sie für ihre Berufung zur Freiheit fit zu machen, muss Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit gegeben werden zu lernen, mit dieser Freiheit verantwortlich umzugehen.
Die Gelegenheit dazu schaffen wir mit ausgewiesenen Stunden Selbstständiges und Anwendendes Lernen (SL und AL).

Unser Konzept haben wir in Anlehnung an den Marchtaler Plan entwickelt. Unsere Don Bosco Grundschule arbeitet seit ihrer Gründung danach.
Um die Anforderungen der höheren Klassenstufen und die Kompatibilität und Vergleichbarkeit mit anderen Schultypen zu gewährleisten, haben wir in Zusammenarbeit mit der Bernostiftung die Mindeststandards erarbeitet.
Dieser Prozess ist nicht abgeschlossen, sondern wird im Kollegium laufend diskutiert, evaluiert und angepasst.

Die Don-Bosco-Schule ist Kooperative Gesamtschule, d.h. wir vereinen eine einzügige regionale Schule und ein zweizügiges Gymnasium unter einem Dach.
Auch hier gilt, dass das Kind in der Mitte steht, nicht seine schulische Leistung.
Schüler beider Schularten verlieren einander auch nach der 6. Klasse nicht aus den Augen. Vorurteile über "die vom Gymnasium" oder "die von der Regionalschule" sind schwerer haltbar, wenn man miteinander Sport oder Wahlpflichtunterricht hat oder den Nachmittag gemeinsam verbringt.
Regionalschüler und Gymnasiasten aller 8. Klassen stellen im Rahmen des Musikunterrichtes gemeinsam ein Musical auf die Beine. Hier werden unterschiedliche Begabungen und Neigungen unabhängig von schulischen Leistungen benötigt, Schulartgrenzen verschwinden.
Ein Wechsel von der regionalen Schule zum Gymnasium oder in die umgekehrte Richtung sind möglich, ohne dass eine komplette Entwurzelung nötig wird. Die Übergabe in die andere Schulform findet gut begleitet statt. Der "Sprung ins kalte Wasser" wird behütet.
Die meisten unserer Kollegen unterrichtet in beiden Schularten, kennen also die jeweiligen Schwierigkeiten und Besonderheiten, was dafür sorgt, dass Regionalschüler stärker gefordert und Gymnasiasten methodenreicher unterrichtet werden.

Ein wichtiges Instrument, um Schülerinnen und Schüler auch unter den Bedingungen einer „normalen“ Schule gut unterstützen zu können, bietet der Teilungsunterricht, der in der Orientierungsstufe in Mathematik, Deutsch und Englisch mit je einer Stunde fest im Stundenplan verankert ist.
In der Regionalen Schule haben wir eine Abwandlung dieser Teilungsstunden. Die Stammgruppe wird in Mathe, Deutsch und Englisch getrennt und auf den Niveaustufen Berufsreife und Mittlere Reife von zwei Kollegen, die sich über Niveau und Aufgabenarten sehr gut absprechen, unterrichtet. 

Über die beiden oben kurz erläuterten konzeptionellen Herausforderungen hinaus, sorgt die Don-Bosco-Schule dafür, dass auch andere Schulzeiten als der Unterricht und die Pausen gestaltete Zeiten sind.
Dazu gehört der Morgenkreis in allen Klassen am Montagmorgen.
Das Morgengebet zu Beginn der ersten Stunde jeden Schultages macht bewusst, dass wir unser Arbeiten unter Gottes Schutz stellen.
Das Mittagessen, die Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag sowie die Nachmittagsbetreuung mit Hausaufgabenzeiten und Förderangeboten komplettiert das Ganztagskonzept.

Selbstständiges und Anwendendes Lernen
Selbstständiges bzw. Anwendendes Lernen ist eine Form schulischen Arbeitens, die der Individualität des Schülers Rechnung trägt. An der Regionalen Schule setzen wir das so um:

  • In den unterschiedlichen Jahrgangsstufen stellen die Fächer Englisch, Mathematik, Biologie, Geschichte, Geographie und Sozialkunde eine ihrer Unterrichtsstunden zur Verfügung. Die unterrichtenden Kollegen bereiten Material und Aufgaben vor. Wiederholung, Vertiefung, selbstständige Erarbeitung und Aufgaben aus fakultativen Themen des Rahmenplans gewährleisten unterschiedliche Anforderungsniveaus. Die Schüler wählen aus Wahl- und Pflichtbereichen.
  • Weitgehend frei sind die Schülerinnen und Schüler in der Zeiteinteilung. Überwiegend können sie selber entscheiden, ob sie eher üben wollen oder sich lieber der Herausforderung einer Erarbeitung stellen. Der Lehrer greift nur beratend ein, etwa wenn ein guter Schüler sich mit Übungsaufgaben zufrieden gibt, die er nicht nötig hat. Durch die Auswahl und Gestaltung der Aufgaben ermutigt er aber auch schwächere Schüler, sich im eigenen Tempo an Erarbeitungen zu wagen, von denen er sich im regulären Unterricht eher überfordert fühlt.

Diese Form des selbst organisierten Lernens soll dem Schüler helfen, Verantwortung für sein eigenes Handeln zu übernehmen sowie sich selbst und seine Fähigkeiten zu entdecken. Genauso kann aber auch der Lehrer den Schüler besser kennen lernen und einschätzen. Er gewinnt Zeit, ganz nah bei einzelnen Schülern zu sein und kann sie in ihrem Lernprozess individuell begleiten.

Wir stellen fest, dass die erforderliche Selbstständigkeit erst gelernt werden muss, dass Schüler oft ängstlich an den Erwartungen ihrer Lehrer kleben und dem eigenen Interesse nicht viel Bedeutung zumessen. Ihnen hier einen anderen Zugang zum selbstständigen Lernen zu ermöglichen, ist eine große Herausforderung.
Auch dass Freiheit nicht Beliebigkeit, sondern Verantwortung bedeutet, ist eine Forderung, die Schülern altersgerecht allmählich vermitteln werden muss.

Dies nicht zur Überforderung werden zu lassen, die Frage also, wieviel Freiheit den Schülern nützt, ist regelmäßig Gegenstand von Diskussionen, Konferenzen und Fortbildungen.

Der Vernetzte Unterricht
Der Vernetzte Unterricht überschreitet die herkömmliche Gliederung des Rahmenplanes nach Fächern. Er stellt die zu behandelnden Inhalte ganzheitlich und vernetzt dar. Er erschließt die Sinnzusammenhänge und die „Hintergründigkeit der Wirklichkeit“. Im Mittelpunkt steht ein Unterrichtsthema, an dem über eine längere Zeit hinweg gearbeitet wird.
Die weiterführende Don-Bosco-Schule erarbeitet sich Erfahrungen mit dieser schüler- und sachgerechten Art des Unterrichts seit Beginn des Schuljahres 2010/11 in der Jahrgangsstufen 5 und 6, seit 2012/13 in der Jahrgangsstufe 7 der Regionalschule, seit 2013/14 in der Jahrgangsstufe 8 der regionalen Schule.
In der Orientierungsstufe (5./6. Klasse) unterrichtet der Klassenlehrer seine Klasse in Geografie, Biologie, Geschichte und einigen Stunden Deutsch und verbringt so mindestens sechs bis sieben Unterrichtsstunden pro Woche in seiner Klasse.
Dass Kollegen dabei fachfremd unterrichten müssen, wird möglich, weil das Material zu den Themen von Fachkollegen zusammengetragen und aufbereitet wird. Wir achten darauf, dass in einer Jahrgangsstufe mindestens je ein Lehrer auch Fachlehrer für Biologie, Geographie oder Geschichte ist und die jeweils anderen Kollegen fortbilden kann.
Die Fachkonferenzen der einzelne Fächer legen fest, was in welcher Tiefe in dieser Schulstufe unterrichtet werden muss.
Wir haben erfahren, dass gerade fachfremde Kollegen sehr gut einschätzen können, was interessant ist, wo Schüler bei neuen Inhalten, die ja teilweise auch für die Kollegen seit eigenen Schulzeiten wieder neu sind, Schwierigkeiten haben.

In der 5. Klasse werden die folgenden Themen behandelt:

  • Wir lernen uns kennen
  • Unsere Heimat – Mecklenburg-Vorpommern und Deutschland
  • Vom Reich des Lebendigen (Geografie und Biologie)
  • Wie alles begann (Wirbeltierklasse vom Wasser zum Land, Theorien zur Entstehung der Erde, Steinzeit)
  • Wasser ist Leben (frühe Hochkulturen, der Nil, Lebensraum Wasser)

In der 6. Klasse lauten die Themen

  • Es gibt keine ekligen Tiere (wirbellose Tiere in ihrem Lebensraum)
  • Ursprünge unserer Kultur - Das antike Griechenland (Sagen, Südeuropa und Mittelmeerraum, kulturelle Expansion)
  • Kontinent Europa
  • Bausteine des Lebens (Mikroskopie)
  • Das römische Reich (Vulkanismus, Sagen)
  • Lebensräume verändern sich (Klima und Vegetation)

Jedes Thema hat ein Leitfach, von dem ausgehend die anderen Fächer ihre Aspekte ergänzen.
Da die Stundengrenzen im VU-Unterricht kein Hindernis mehr sind, kann der VU-Lehrer selber entscheiden, welches Fach für einen bestimmten Teilaspekt im Vordergrund stehen soll. Sehr flexibel kann z.B. die Kartenarbeit entlang der Ostsee mit den Lebensräumen der Seetiere und den Sagen aus alter Zeit verknüpft werden.
Auf die Schuljahre 5 und 6 gerechnet, wird die vorgeschriebene Stundentafel voll erfüllt. Der Lernerfolg ist aber für die Schüler weit höher, als im herkömmlichen Fachunterricht, weil kontinuierlicher gelernt werden kann.
Aus dem Deutschunterricht fließen vor allem Arbeitstechniken mit ein, vor allem Sachtextarbeit und Präsentation von Ergebnissen
Bei aller Vernetzung werden die Fachgrenzen durchaus bewusst gemacht, denn in den höheren Jahrgangsstufen tritt ja der Fachunterricht wieder auf.
Wir weisen die Noten der beteiligten Fächer auf dem Zeugnis getrennt aus, damit es bei einem denkbaren Schulwechsel, zum Beispiel durch Umzug, kein Schwierigkeiten gibt

In der 7. Klasse der regionalen Schule werden zunächst die Fächer Geografie und Geschichte vernetzt unterrichtet. In der 8. Klasse kommt Sozialkunde dazu. Auch hier ist der VU-Lehrer der Klassenlehrer, verbringt also viel Zeit mit seinen Schülern und kann sie sehr gut kennenlernen und besser betreuen.

In anderen Jahrgangsstufen und zwischen anderen Fächern suchen und nutzen wir ebenfalls die Möglichkeiten Unterricht zu vernetzen. Hier stimmen die Kollegen, die in einer Klasse unterrichten, ihre Inhalte und Methoden eng ab und reißen Fachgrenzen, die oft künstlich sind und dem Inhalt nicht gerecht werden, ein.
In der 7. Klasse kooperieren Geschichte und Deutsch, wenn es um Heldenballaden geht.
In der 8. Klasse unterrichten die Deutschlehrer, wie Referate richtig gehalten werden. Die Anwendung dieses Wissens übernehmen die anderen Fächer, so dass das Üben sachgerecht und nicht bloß der Methode dienend stattfindet.
Vor allem bereiten alle 8. Klassen gemeinsam ein Musical vor, in Zusammenarbeit von Musik (Gesang, Band) und Kunst (Bühnenbild). Da auch Deutschlehrer im Musical-Team mitarbeiten und die Texte bearbeiten, profitiert auch das Fach Deutsch von den Erfahrungen, die die Schülerinnen und Schüler bei der Musical-Produktion machen.